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Samstag, 6. November 2010

Der erste Besuch und endlich Fotos!

Nachdem ich meinen Blog nun über einen Monat habe ruhen lassen - hauptsächlich aus Zeitgründen - möchte ich wenigstens teilweise berichten, was alles so passiert ist. Das wichtigste dabei ist: Mein erster Besuch war da! - und nicht nur irgendwer... ;-)
Es war ein Mann mit Kamera! :-P
Also hier als erstes ein paar Fotos von der Wohnung, dem Campus und Lorena und mir:

zunächst der Blick vom Balkon
dann meine zwei Zeitzonenuhren
Hier mein täglicher Arbeitsweg: Den University City Boulevard muss ich überqueren, um auf den Campus zu gelangen. Von da an sehen übrigens alle Gebäude so aus - mit rotem Backstein gebaut, der mich an Fabriken erinnert. Es sind sozusagen Denkfabriken!
und die für Halloween geschmückte Student UnionLorena (meine Mitbewohnerin) und ich beim Wandern - wir haben den höchsten Berg in North Carolina bestiegen - den Mount Mitchel, der mit über 2000m Teil der Appalachen ist! (Klingt cool, was?)Der Wanderausflug in die herbstlich bunten Berge war echt toll. Hier noch ein paar Eindrücke von der großartigen Landschaft. Wer mehr sehen will... Ich bin über Weihnachten in Deutschland!Wir sind dann übrigens nach New Orleans gefahren und haben dort eine Woche Urlaub gemacht. New Orleans hat mich sehr an New York erinnert - laut und dreckig. Keine Stadt, in der man wohnen möchte. (New York vielleicht schon.) Ich hatte mir die Stadt und den Mississippi auf jeden Fall etwas romantischer vorgestellt - vielleicht auch einfach europäischer... Wer weiß, auf jeden Fall hatten wir eine gute Zeit im Aquarium und im Zoo. ;-) Wir haben Haie und Aligatoren gesehen - ich wäre sogar beinahe von einem gefressen worden!
Die in New Orleans sind übrigens besessen von unheimlichem, Voodoo und natürlich Halloween. Das zeigt sich an den verrückten Dekorationen.
So, Brüderchen: Reicht das vorerst an Fotos?
Am Dienstag bekomme ich übrigens schon wieder Besuch! Mal sehen, ob der auch eine Kamera mitbringt! ;-)

Freitag, 3. September 2010

Unterricht

In meinem letzten Post habe ich versprochen ausführlich über meine ersten Unterrichtsstunden zu berichten. Leider war ich am Wochenende dann so geschafft, dass ich mich irgendwie nicht dazu aufraffen konnte dies auch in die Tat umzusetzen und bekam im Laufe dieser Woche dann auch prompt ein paar Mails von besorgten Verwandten und Bekannten, ob denn alles ok bei mir sein - ich hätte ja schon so lange keinen Blogeintrag mehr gemacht. Also - beruhigt euch! - hier ist alles ok. Auch wenn die sogar Tagesschau Wirbelsturmwarnungen für North Carolina angesagt hat. Ich lebe weit von der Küste entfernt und habe davon überhaupt nichts mitbekommen. Hier sind es immer noch über 30°C und nur die stetigen Voraussagen von Anabel und Lorena lassen mich erahnen, dass bald ein "kristallklarer Herbst" anbrechen wird.
Nun also zu meinem Unterricht. Mittlerweile habe ich die ersten Zwei Wochen hinter mich gebracht und auch wenn ich nicht behaupten kann, versagt zu haben, fühlt es sich doch manchmal an, als wäre ich eine "Hochstaplerin". ... as if I were a fraud. Dies liegt aber hauptsächlich an dem merkwürdigen Gefühl, dass
in mir aufkommt, wenn ich anderen Menschen sage, was sie zu tun und zu lassen haben - vor allem, da diese nicht viel jünger sind, als ich und teilweise sogar älter. Es ist auch komisch sich damit auseinandersetzen zu müssen, dass Studenten manche Sachen nicht verstehen, auch wenn man Dinge dreimal erklärt hat. Oder sie Aufgaben nicht erledigen, die man schon 2 Wochen lang fordert. Meine bisherigen Unterrichtserfahrungen sind da ganz anders. Die Arbeit mit Kindern ist selbstverständlich etwas völlig verschiedenes, aber auch der bisherige Unterricht mit Erwachsenen war anders, da es sich immer um Menschen gehandelt hat, die hochmotiviert waren und kamen, weil sie etwas lernen wollten. Hier ist es eher, wie an einer Schule, wo Schüler/students kommen müssen. Die vielleicht wenig oder gar keine Motivation haben (außer eine äußere) eine Fremdsprache zu lernen. Und genau aus diesem Grund muss man Dinge zig mal wiederholen. Aufgaben laut und deutlich und am Besten in schriftlicher Form und dreifacher Ausführung geben. Und... sich über die drei/viel Studenten freuen, die wirklich bei der Sache sind, ohne die anderen zu vergessen.
Aber keine Angst: Spaß macht es mir trotzdem sehr! Denn es ist interessant diese neue Rolle auszuprobieren oder besser anzuprobieren. Genauso, wie sich darüber Gedanken zu machen, welche Inhalte man in welche Verpackung steckt, damit sie auch interessant werden. Die Frage der Methodik bekommt in der Praxis irgendwie doch noch ein ganz anderes Gewicht. Leider bleibt mir bei einem doch sehr vollen Lehrplan nicht viel Zeit für Experimente und manchmal verschätze ich mich in der Zeitaufteilung noch sehr. Aber ich versuche mit allen Mitteln zu wuchern und für jeden Lernertyp etwas zu bieten, damit wir nicht nur stur am Buch kleben bleiben müssen und ich auch etwas über Deutschland erzählen kann.
Auch wenn es jetzt vielleicht nicht so anklang, komme ich doch sehr gut mit den kleinen Herausforderungen zurecht und meistens funktioniert der Unterricht auch so, wie ich mir das vorstelle. Bis jetzt glaube ich auch, dass ich noch keinen Studenten auf der Strecke gelassen habe und alle verstanden haben, dass sie zu mir kommen können oder es einfach sagen können, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Daher kann ich doch auch ziemlich zufrieden sein! :-)
Lustigerweise musste diese Woche schon festgelegt werden, welche Kurse ich nächstes Semester unterrichten werde (nach nicht mal 2 Wochen!). Ich werde 2 versc
hiedene Fortgeschrittenenkurse unterrichten, die "German Culture through Film" heißen.


Hier kann ich jeweils 3 deutsche Filme behandeln, die dann sowohl als sprachliche, als auch kulturelle Diskussionsgrundlage dienen. Ich finde das total spannend! Ich habe während meines Studiums in der Amerikanistik auch mehrere Filmseminare belegt und hoffe, die Studenten hier auch so für die Filme begeistern kann, wie ich es damals war. Komischerweise kenne ich viele der vorgeschlagenen Filme nicht und muss mich jetzt erstmal in die deutsche Filmgeschichte einlesen und eingucken... Das wird bestimmt interessant! - Empfehlungen werden gerne angenommen...

Dienstag, 17. August 2010

Arbeiten?!?

16.08.2010

Ueber den gestrigen Tag gibt es eigentlich nicht viel zu berichten. Den groessten Teil verbrachte ich damit, meine Unterrichtsunterlagen zu sichten und mir zu ueberlegen, wie ich die ersten Stunden gestalten wollte. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich nicht wirklich viel Zeit habe und fuer viele Extravaganzen leider keine Zeit bleiben wird. In jeder Gruppe habe ich nur 2h pro Woche von jeweils 75 Minuten. Fuer eine Fremdsprache ist das wirklich wenig. Da diese zwei Gruppen auch noch auf dem gleichen Niveau sind, werde ich meine Energien wahrscheinlich viel in extracurriculare Angebote stecken, wie den German Club.
Ein Hinweis zu meinem Blog kam gestern von meinem Bruder, der mehr Bilder verlangte. Diesem Wunsch wuerde ich gerne nachgehen, jedoch habe ich noch keine Kamera und mein neues Handy konnte ich bisher leider noch nicht auf meinem Computer installieren. Deshalb werde ich versuchen, die naechsten Eintraege wenigstens mit Links zu unterlegen – zur Illustration. Und vielleicht ist eine Kamera dann ja meine naechste grosse Investition.

Montag, 16. August 2010

Almut als Professor

13.08.2010

Am Freitag war ich zum ersten Mal „richtig“ in meinem Büro. Dieses teile ich mit 5 anderen „instructors“, unter anderem meiner Mitbewohnerin Lorena. Da das Semester noch nicht begonnen hat, war ich gestern alleine dort und konnte in aller Ruhe meine Schränke aufräumen. Meine Vorgängerin hat alles Mögliche an Materialien hier gelassen, das Katrin „Moderationsmaterial“ nennen würde. Außerdem konnte ich meine ersten „offiziellen“ Mails als Lehrerin beantworten! Nur, dass diese Mails etwas merkwürdig waren und mir zeigten, dass die Gerüchte über die Unselbstständigkeit der Studenten hier vielleicht doch nicht übertrieben ist. Die erste Mail kam von einer Mutter, die anscheinend den Stundenplan ihres Sohnes zusammenstellt und „Mister Weismann“ um die Möglichkeit bat, diesen doch bitte noch in meinen bereits vollen Kurs aufzunehmen. Etwas amüsiert von dieser Anfrage erinnerte ich mich an Anabels Worte, doch bitte besonders freundlich zu unseren Studenten zu sein, da die Deutschabteilung hier um jeden Studenten kämpfen muss. Also war ich nett und schrieb ihr Söhnchen gleich in meinen Kurs ein. Doch das war nicht alles, denn bald darauf kam eine Mail von einem Studenten, der mir zwar persönlich schrieb, aber dafür noch nichts von irgendwelchen Konventionen beim Schreiben von Mails gehört zu haben scheint. Denn seine Mail enthielt weder eine Grußformel, noch eine Unterschrift oder auch nur einen Hinweis darauf, dass ich nicht seine beste Freundin bin. Aber wer mich kennt, weiß, dass es mir nicht schwer fällt freundlich zu sein und so versuchte ich es mit indirekter Korrektur und schrieb ihm eine angemessene Mail zurück. Nun ja immerhin habe ich heute dann doch noch eine perfekte und äußerst höfliche Mail von einer dritten Person bekommen. Das nehme ich dann mal als gutes Zeichen und gehe davon aus, dass meine Klassen zwar sehr gemischt sein werden, ich aber nicht jedem erst erklären muss, was ein Brief ist, bevor wir einen schreiben können.
Die Überraschung des Tages war ein Schild an meiner Tür, dass die Sprechzeiten von Prof. Almut Weismann ankündigte – fehlt nur noch ein Dr., oder?

Sonntag, 15. August 2010

Becoming Real

11.08.2010

Seit 2 Tagen bin ich nun eine „real person“, wie Anabel sagt, was im Prinzip so viel bedeutet wie: ich habe eine Nummer. Dabei stimmt das noch nicht einmal richtig, da ich noch etwa 2 Wochen auf meine Social Security Number warten muss. Aber wenn ich die einmal habe, dann kann ich mir auch eine North Carolina ID holen und muss mich nicht immer mit meinem Pass ausweisen. An der Uni bin ich also schon echt, der Rest der Welt muss noch auf mich warten!
Das Ausfüllen der vielen Stapel an Unterlagen hat also Wirkung gezeigt. Ich habe jetzt eine offizielle E-Mail-Adresse, konnte mir bereits die Liste meiner Studenten ansehen und mit meiner Unikarte das Mittagessen bezahlen. Wo ich gerade einmal dabei bin – Lunch habe ich gestern mit Anabel und Paul, einem weiteren Kollegen der Deutschabteilung gegessen, sowie mit Robert, dem Head. Das machte dann eine sehr illustre Runde und ein amüsantes Essen.
Am Nachmittag stand dann noch einmal ein wenig Shopping an, denn mir fehlte ja noch ein Bett. Anabel hatte bei Target ein Fouton, also ein Sofabett gesehen, was ich mir ansehen sollte. Nach einer großen Auspackaktion, die mir ein wenig unangenehm war, fanden wir dann auch das richtige. Während ich also alles wieder „typisch deutsch“ in die Verpackungen verstaute, fuhr Anabel das Auto vor und mit Hilfe der Angestellten bugsierten wir das Teil in ihren Van. Danach ging es noch ein letztes Mal zu Walmart, um dort eine Matratze aus Memory Foam zu kaufen, die den Fouton noch bequemer machen soll.
Am Abend baute ich das Gerät dann auf und nun sitzt es in unserem Wohnzimmer, da sich die Matratze noch ausreichend entfalten muss. Heute Abend kann ich dann zum ersten Mal auf meinem endgültigen Bett schlafen und freue mich schon sehr darauf.
Meine letzte Aktion gestern war eine kleine Fahrradtour, um zu sehen, wie ich am besten zum nächsten Supermarkt komme. Nach ein paar Fehlversuchen, die nichtungefährlich waren, da Fahrradfahrer hier nicht für voll genommen werden, fand ich schließlich eine Strecke, die ziemlich einfach ist. In etwa 10 Minuten kann ich von hier zum Einkaufszentrum kommen, wo auch ein Fahrradladen!!! ist, sowie andere kleine Restaurants, Cafés, eine Drogerie und ein paar andere kleine Läden.

Freitag, 13. August 2010

Organic Food

10.08.2010

Gestern hatte ich endlich die Freiheit morgens auszuschlafen, da ich mit Anabel verabredet hatte, einen Tag „frei“ zu machen. Ich stand also erst nach 8 auf, machte in aller Ruhe Frühstück und ging dann daran, meine neuen Möbel zu reinigen und zu füllen. Als ich damit fertig war, rief mich Anabel an und meinte, dass meine Identifikationsnummer schon fertig war und wir also unerwarteter Weise ein paar Wege erledigen könnten. Um niemanden zu langweilen möchte ich nur sagen, dass ich etwa 30 Blätter Formulare ausfüllte und den ganzen Tag irgendwelche Fragen zu meiner Person beantwortete. Eigentlich waren es sogar immer wieder die gleichen. Resultat ist, dass ich nun eine brandneue Unikarte habe (Go 49ers!), ich offiziell an der UNCC angestellt bin, meine SocialSecurityNumber beantragt ist, ich ein Bankkonto eröffnet habe und eine Telefonkarte besitze, um billig nach Deutschland anzurufen!
Nachdem alle diese Dinge erledigt waren, was ca. 5 Stunden dauerte, setzte mich Anabel an einem Coffeshop ab, in dem Lorena wartete und wir machten uns gemeinsam auf die Suche nach einem Router für unseren Internetanschluss und gingen Lebensmittel einkaufen. Letzteres taten wir in einem tollen Supermarkt, der sich auf Biolebensmittel spezialisiert hat und vor allem „whole food“ anbietet – "Trader Joe‘s". Das heisst, ich habe dort Brot gefunden, dass sich nicht auf Würfelgröße zusammenpressen lässt sowie Vollkornreis und frisches Biogemüse und –obst und ein riesiges Angebot an Käse usw. Das alles war wohl ein wenig teurer, als in anderen Supermärkten, aber dennoch erschwinglich. Gerade die Preise für Obst und Gemüse haben mich positiv überrascht. Lorena meint, dass dies natürlich auch mit dem Bundesstaat zu tun hat, d.h. dass es in New York definitiv teurer ist, gerade was frische Lebensmittel angeht und es natürlich auch wichtig ist, dass es in Charlotte eine Gruppe Menschen gibt, die sich für gesunde und nachhaltige Ernährung interessieren. Was ich außerdem lustig fand, ist dass man bei Trader Joe’s seine eigenen Beutel mitbringen kann und dann dafür an einer Gutscheinverlosung teilnimmt. Dies soll die Leute darauf aufmerksam machen, dass sie der Natur nichts Gutes tun, wenn sie alles in Tausende von Plastetüten verpacken lassen, wie es hier überall üblich ist.
Alles in allem bin ich doch überrascht, wie sich das Land verändert hat, seit ich das letzte Mal hier war, denn auch Recycling scheint in aller Munde zu sein. Sicherlich leben nicht alle Menschen in den USA diesen Trend mit, aber ich denke trotzdem, dass sich ein Bewusstsein für Umweltschutz und Nachhaltigkeit entwickelt hat. Und das macht es viel angenehmer hier zu leben, weil man kein riesiges Negativkonto anhäufen muss, um sich zu ernähren. Leider ist den Amis aber noch nicht bewusst geworden, dass man auch bei 28°C Innentemperatur oder mehr überleben kann, im Gegensatz zu 22°C. Meine Mitbewohnerin ist dabei Gott-sei-Dank eine löbliche Ausnahme. Ansonsten friere ich hier regelmäßig und renne daher trotz an die 40°C Außentemperatur meist mit langer Hose herum, schließlich hält man sich sowieso die meiste Zeit in den Gebäuden auf.

Sightseeing

09.08.2010

Nach einer wieder ziemlich kurzen Nacht, holte mich Anabel um neun bei mir zu Hause ab und wir gingen gemeinsam in die Uni, um dort ein paar Unterlagen zusammenzustellen, damit ich sobald wie möglich angestellt sein würde. Um 10 verließen wir dann die Uni und holten einen neuen Kollegen ihres Mannes samt seiner Frau ab, da uns Anabel die Stadt zeigen wollte. Zunächst ging es aber zu einem kleinen Haus, dass die beiden eventuell mieten wollten und während sie sich umschauten unterhielt ich mich mit dem Sohn der Besitzerin, welcher nebenbei Geschichte an der UNCC unterrichtet und hier im nächsten Semester ein Seminar über Religionen in der amerikanischen Kultur geben würde, was ich natürlich extrem spannend fand. Ich habe natürlich vor ein paar Kurse nebenbei zu besuchen und muss mich unbedingt einmal umschauen, was es so gibt.
Die Tour selbst führte uns dann durch verschiedene Teile Charlottes, welches eine sehr schöne Stadt ist und endete in Anabels Haus, wo wir das selbstgebraute Bier ihres Mannes probieren durften und aus dem ich mit einem Stapel Bücher herausging. Ich hatte Anabel erzählt, dass ich gerade ein paar amerikanische Bücher aus dem 19.Jahrhundert lese und dies auch eines meiner Schwerpunktthemen im Studium war. Offensichtlich war die Literatur des 19.Jahrhunderts Thema ihrer Abschlussarbeit. Auf diese Art und Weise, habe ich nun jedenfalls ein paar Bücher, die ich in mein neues Regal stellen kann.
Zu Hause angekommen, war ich wieder total k.o. Rappelte mich aber nach dem Essen nochmal auf, um Joggen zu gehen. Ich hatte mich nämlich daran erinnert, dass das beste Mittel gegen Jetlag Bewegung an der frischen Luft im Tageslicht ist. Außerdem beängstigten mich ein wenig die Massen an übergewichtigen Menschen, die einem hier jeden Tag über den Weg laufen. Schliesslich will ich ja nicht irgendwann auch so aussehen! ;-)

Der Möbeltag

08.08.2010

Gestern war ein wahnsinnig anstrengender Tag. Anabel, meine Kollegin und Betreuerin hatte gesagt, dass sie gegen 11 Uhr in unserem Apartment sein würde. Also hatte ich nach dem Aufstehen noch genügend Zeit, um meine Einkäufe vom Vortag zu verstauen und mein Bad einzurichten.
Anabel stellte sich als eine sehr quirlige Frau heraus, die nichts liegen lässt, sodass ich am Ende des Tages ein fast vollständig eingerichtetes Zimmer hatte (Kommode, Regal, Nachttischchen, Lautsprecher), in unserem Wohnzimmer ein Sofa und Tisch stand und die Küche mit einem weiteren Regal und einem Wasserkocher ausgerüstet war. Außerdem schafften wir es, dass ich nach etwa zwei Stunden im Handyladen endlich einen Vertrag und ein Telefon hatte. Kein Wunder, dass ich nach fünf Stunden Erledigungen vollkommen geschafft war und mich Anabel nach Hause fuhr, damit ich mich ausruhen konnte, bevor Freunde von ihr die Wohnzimmermöbel bringen würden. Nachdem auch das geschafft war, fiel ich auch bald wieder ins Bett und schaffte es doch wirklich 9 Stunden zu schlafen.
Leider habe ich jedoch noch keine bezahlbare Möglichkeit nach Deutschland anzurufen, da wir immer noch kein Internet haben und ich daher auch keinen Prepaid-Service für Deutschlandgespräche kaufen konnte. Netterweise ließ mich Anabel aber ihr Handy benutzen, um einen (gefühlt) längst überfälligen Anruf zu machen.

Mittwoch, 11. August 2010

Einrichtungsfragen

07.08.2010

Mein erster vollständiger Tag in Charlotte begann um 5 Uhr morgens Ortszeit. Obwohl ich am Abend hundemüde ins Bett gefallen war, konnte ich nur 7 Stunden schlafen. Daher fing ich zunächst an ein paar Seiten zu lesen und ein paar Zeilen zu schreiben. Doch um sieben holte mich der Hunger dann endgültig aus dem Bett. Außerdem reizten mich die vollen Koffer und Taschen, die ich nach und nach in meinem Closet verteilen wollte. Glücklicherweise ist es in den USA üblich, dass es in die Wände eingebaute Kleiderschränke gibt, weshalb ich auch ohne die Anschaffung eines großen Möbelstückes bereits Stauraum habe. Während Lorena noch schlief, räumte ich mehrere Stunden lang alles Mögliche in diverse Schränke, putzte wie verrückt und überlegte mir, wie ich mein Zimmer und mein Bad einrichten würde.
Gegen Mittag kam dann meine Kollegin Sylvia vorbei, die mir Blumen, Blaubeeren und Pfirsiche vom Farmer’s Market mitbrachte. Sie verriet mir, dass Blaubeeren sehr typisch für die Region sind, was ist sehr sympathisch finde!!! ;-) Ich habe mich also sehr gefreut. Dann erzählte mir Sylvia ein wenig über die Deutschkurse und brachte mir meinen Syllabus vorbei, den sie netterweise bereits für mich vorbereitet hatte. Zum Lunch ging es dann in ein nettes kleines indisches Restaurant, wo das Buffet keine Wünsche offen ließ, mich aber mein Magen ob seiner geringen Größe doch sehr enttäuschte!
Nach Hause zurückgekehrt, beschlossen Lorena und ich einen Ausflug in diverse Möbelhäuser zu machen, welcher uns letztendlich Ikea führte. Darüber war ich dann nicht wirklich traurig, da die Möbel und Gegenstände in den amerikanischen Läden doch nicht so ganz meinem Geschmack entsprachen. Dennoch blieb ich dabei, mir keine größeren Dinge anzuschaffen, da ich darauf hoffe, über das Internet ein paar gebrauchte Möbel zu finden. Es wäre wirklich zu schade, wenn ich mir etwas Neues anschaffe und es dann in einem Jahr wegwerfen müsste. Also blieb es bei diversen Boxen, Döschen, Uhren, ein paar Küchenutensilien, einem Mülleimer, einer Menge Haken und ein paar Dekorationen.
Dass mein Zeitgefühl vollkommen außer Kraft gesetzt ist, bewies sich dann beim Verlassen des Marktes, denn zu meinem großen Erstaunen war es stockduster draußen und bereits nach neun Uhr. Klar, dass ich zu Hause angekommen, es nicht mehr schaffte alles einzurichten. Trotzdem war es bereits 23 Uhr, als ich wie tot ins Bett fiel und sofort einschlief.

Tag 1: Abgefahren - Angekommen

06.08.2010
Abgefahren - Angekommen

Nachdem ich mich in den letzten 2 Wochen von so vielen lieben Menschen, wie möglich verabschiedet habe, ging es nun gestern tatsächlich los. Nach dem letzten und schwersten „Goodbye“ von allen und einem schrecklich langen Flug von 10 Stunden, stieg ich in Charlotte aus dem Flieger und freute mich, mir nun endlich die Beine vertreten zu können. Aber Pustekuchen! Denn als erstes musste ich mich, zusammen mit ungefähr 400 anderen Ankommenden in die Schlange vor der Einreisekontrolle stellen. Doch nach ungefähr anderthalb weiteren Stunden, war auch ich endlich dran, ließ mir noch einmal meine Fingerabdrücke abnehmen und mich fotografieren, und holte mein Gepäck, was nun schon ungeduldig auf mich wartete. Ich freute mich sehr, am Gate dann nicht nur meine neue Mitbewohnerin zu sehen, sondern auch eine Kollegin, die mich beide mit strahlenden Gesichtern in Empfang nahmen.
Da es in Deutschland mittlerweile ein Uhr nachts gewesen wäre, war ich natürlich entsprechend müde, was meinen Magen aber nicht davon abhielt nach Nahrung zu verlangen und mein Körper nach einer Dusche. Also fuhr ich mit Lorena, meiner kolumbianischen Mitbewohnerin, erst mal bei einem kleinen Restaurant namens Panera Bread vorbei und wir gönnten uns eine leckere Suppe und kühles, sehr wohl tuendes Wasser. Wie in den USA üblich war auch das Restaurant klimatisiert, was wirklich sehr angenehm war. Hier sind es zurzeit fast 100°F und dabei sehr feucht, was die Hitze sehr unangenehm macht. Trotzdem bin ich seit meiner Ankunft, noch kaum ins Schwitzen geraten, weil es wo auch immer man hingeht immer klimatisiert ist. Nach unserer kleinen Pause mussten wir noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen, damit ich für die nächsten Tage wenigstens ein paar grundlegende Nahrungsmittel zur Verfügung haben werde. Außerdem musste für mein Bad noch ein Duschvorhang her, sowie für die Küche ein Wasserfilter, um nicht in allen Getränken das Chlor zu schmecken, das die Amis ihrem Leitungswasser zusetzen.
Nun endlich ging es in die Wohnung, die nun für 10 Monate mein Zuhause sein wird. Wie ich schon on Google Earth gesehen hatte, liegt das Wohnhaus in einer kleinen Siedlung von zweistöckigen Gebäuden ganz in der Nähe des Campus. Hier wohnen in der Mehrzahl Studenten in Wohnungen wie unserer. Diese hat zwei Schlafzimmer und zwei Badezimmer sowie eine Art Wohnküche, die sehr großzügig ist. Mein Bad hat eine angenehme Größe und auch mein Zimmer ist genau richtig. In der ganzen Wohnung liegt sehr schönes (nicht Echt-)Holzparkett, was sehr praktisch ist da sowohl Lorena, als auch ich lange dunkle Haare haben. Was das für die Reinhaltung von Teppichen bedeutet, kann man sich sicherlich vorstellen. Auch wenn in der Wohnung außer Kisten und Gepäckstücken noch nicht viel steht, habe ich einen guten Eindruck. Lorena scheint sehr nett zu sein und meine Kollegin ebenfalls.
Meine erste Nacht konnte ich auf einer aufblasbaren Matratze verbringen, die eine andere Kollegin netterweise für mich besorgt hat, zusammen mit ein paar weiteren notwendigen Dingen, wie Geschirr und Lampen. Obwohl ich nach deutscher Zeit um halb fünf ins Bett ging, konnte ich leider nicht länger als 7 Stunden schlafen und sitze nun seit fünf Uhr lokaler Zeit hier und wundere mich, dass es draußen immer noch nicht heller zu werden scheint. Trotzdem finde ich, dass es Zeit für ein Frühstück wird und danach vielleicht für einen kleinen Spaziergang…
 
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